Altlastensanierung auf dem Areal des ehemaligen Flawiler Gaswerks
Die Produktion im Gaswerk Flawil wurde im Jahr 1906 aufgenommen und lieferte hauptsächlich «Leuchtgas» für die rund 1340 Flawiler Strassenlampen. Zusätzlich wurden auch 292 Kochgeräte und bereits 64 Heizungen mit dem damals giftigen Kohlegas beliefert. Zur Herstellung des Kohlegases wurden pro Jahr über 800 Tonnen Steinkohle am Bahnhof Flawil angeliefert und per Pferdefuhrwerk nach Oberglatt transportiert. Bei der sogenannten «Entgasung» der Steinkohle fielen nebst dem Abfallprodukt «Koks» auch weitere Abfall- und Giftstoffe an. Das «Koks», ein poröser stark kohlenstoffhaltiger Brennstoff mit einer hohen spezifischen Oberfläche, wurde in der Region wiederverkauft. Die restlichen Produktionsabfälle fanden ihr Endlager im Boden unterhalb des Gaswerks und in der Glattböschung.
Im Jahr 1969 stillgelegt
Seit der Stilllegung das Gaswerks Flawil im Jahr 1969 wird im Flawiler Leitungsnetz Erdgas ausgeliefert. Erdgas ist ungiftig und in seinem natürlichen Vorkommen farb- und geruchlos. Damit es im Falle eines Lecks trotzdem wahrgenommen wird, ist Schwefel beigemischt. Dadurch erhält das gelieferte Erdgas seinen typischen schwefligen Geruch, welcher oft «wie faule Eier» beschrieben wird.
Seit einigen Jahren wird mit der Gasinfrastruktur der Schweiz immer mehr Biogas transportiert. In der Region gibt es grössere Anlagen in Niederuzwil, Münchwilen und Widnau, von wo auch die Flawiler Kunden ihr Biogas erhalten. Die Schweizer Gaswirtschaft will bis ins Jahr 2030 im gasversorgten Wärmemarkt (Gasheizungen) einen Anteil von 30 Prozent Biogas ausliefern.
Über 3000 Tonnen Material
Geblieben ist auf dem Gelände des ehemaligen Flawiler Gaswerks das Endlager im Boden. Im März 2020 beginnen die Technischen Betriebe Flawil nun mit der Altlastensanierung. Für die Erneuerung der Glattböschung wird das entsprechende Waldstück gerodet. Die stark belastete Erde, über 3000 Tonnen Material, wird abgetragen und speziell entsorgt. Nach Abschluss der Arbeiten wird die Böschung wieder aufgeschüttet, aufgeforstet und aus dem Altlastenkataster gelöscht.
Impressionen vom Gaswerk Flawil
(Quellen und Datierung unbekannt)



