Die zweite Etappe des Leitungsbaus für die Fernwärme Flawil ist gestartet. Was steht aktuell an? Und welche wichtigen Erfahrungen konnten bisher gemacht werden? Lukas Hungerbühler, unser Projektleiter Netzbau, im Gespräch.
Die zweite Etappe des Leitungsbaus für die Fernwärme Flawil ist gestartet – was sind die wichtigsten Arbeiten, die aktuell anstehen?
Der erste Teil des Grabens an der Oberbotsbergstrasse wurde ausgehoben. Zurzeit laufen die Arbeiten an den Fernwärmerohren: Sie werden zusammengeschweisst, die Verbindungsstellen auf ihre Dichtheit geprüft und anschliessend isoliert. So stellen wir sicher, dass die Wärme später effizient, das heisst möglichst ohne Verluste, transportiert werden kann.
Was sind die Herausforderungen einer Fernwärme-Baustelle? Vielleicht auch im Gegensatz zu einer «gewöhnlichen» Baustelle?
Eine «gewöhnliche» Baustelle gibt es nicht. Die Bauplanung ist immer von den Gegebenheiten vor Ort, den involvierten Partnern und natürlich den Anforderungen des Projekts abhängig. Beim Verlegen der Hauptleitungen der Fernwärme Flawil haben wir eine Vielzahl von Faktoren, die die Planung und Umsetzung sowie dessen Fortschritt bestimmen.
Haben Sie ein Beispiel?
Zum Beispiel müssen Fernwärmerohre ganz unten im Graben verlegt werden. Weil die Gräben so tief sind und der Platzverhältnisse darum herum sehr eng, der Verkehr soll ja weiterhin passieren können, müssen sie während der gesamten Bauzeit mit speziellen Stützelementen gesichert werden. Gerade wenn bereits viele bestehende Werkleitungen im Boden sind, kann das kompliziert werden. Kombiniert mit den vielfältigen Arbeiten an den Fernwärmerohren erstreckt sich eine Bauphase daher meist über mehrere Wochen. In dieser Zeit ist eine gute Koordination ausschlaggebend, auch mit Blick auf die Verkehrsführung und die Anwohner:innen. Und trotz der sorgfältigsten und weitsichtigsten Planung kann es immer noch zu Überraschungen kommen.
Die da wären?
Es kann beispielsweise vorkommen, dass wir beim Ausheben des Grabens auf nicht dokumentierte Werkleitungen stossen, oder die erwarteten Werkleitungen nicht genau dort liegen wo sie dokumentiert sind. Das war an der St.Gallerstrasse der Fall. Dort mussten wir die Fernwärmeleitungen kurzerhand auf die andere Strassenseite verlegen – zum Glück ohne grossen zeitliche und finanzielle Verluste, da die Bedingungen beim Graben gut waren.
Der Verkehr ist immer ein grosses Thema bei Baustellen – wie versuchen Sie, die Auswirkungen für Verkehrsteilnehmende möglichst gering zu halten?
Erstens versuchen wir die Bauabläufe so optimal wie möglich zu planen und Synergien mit Drittprojekten zu nutzen. Dazu holen wir die involvierten Parteien, also beispielsweise die Gemeinde bzw. den Kanton, die Kantonspolizei und z.B. auch die Postautobetriebe mit ins Boot.
Zweitens informieren wir die betroffenen Anwohner:innen und Geschäfte frühzeitig mit einem separaten Brief. Darin sind detaillierte Informationen enthalten und eine Ansprechperson, an die man sich bei Fragen oder Anliegen rund um die Baustelle wenden kann. Zusätzlich publizieren wir den Start jeder Bauphase im FLADE-Blatt. Und natürlich sind auch alle Infos auf der Projektwebseite zu finden.
Welche Erfahrungen haben Sie bisher gemacht, die Sie für die zukünftige Bauplanung mitnehmen können?
Da wir als TBF das erste Mal ein Fernwärmenetz realisieren, konnte ich schon viele wichtige Erfahrungen im Fernwärmeleitungsbau sammeln, welche für die weitere Projektierung hilfreich sein werden. Für die erfolgreiche Umsetzung eines Projektes dieser Grössenordnung braucht es ein motiviertes und engagiertes Team mit sehr viel Ausdauer. Hier zeigt die Erfahrung, dass wir als Bauherrschaft einen wichtigen Beitrag leisten können, indem wir einen engen und steten Austausch mit den involvierten Parteien pflegen und nahe am Geschehen dran sind.