• 13.07.2026 13:12

 

Die Realisierung der Fernwärme Flawil schreitet sichtbar voran. Während an verschiedenen Orten am Wärmenetz gebaut wird, laufen gleichzeitig die Arbeiten rund um die Wärmezentrale auf Hochtouren. Wie steht es um die Nachfrage, die Wirtschaftlichkeit und den Zeitplan? Im Gespräch gibt der Geschäftsführer der Technischen Betriebe Flawil (TBF), Luca Zillig-Klaus, Auskunft zum aktuellen Stand der Fernwärme Flawil.

 

Die Wärmezentrale der Fernwärme Flawil

 

Die Fernwärme Flawil zählt zu den bedeutendsten lokalen Infrastrukturprojekten der letzten Jahre. Ziel ist es, Flawil mit lokaler und zukunftsfähiger Wärme zu versorgen. Der Ausbau des Leitungsnetzes schreitet zügig voran. Gleichzeitig laufen die Vorbereitungen für die Wärmezentrale weiter, der Baustart steht kurz bevor. Im Interview spricht Geschäftsführer Luca Zillig-Klaus über den aktuellen Stand, die Nachfrage aus der Bevölkerung und die nächsten Schritte.

 

In Flawil wird derzeit an mehreren Orten gleichzeitig gebaut. Wie erleben Sie die aktuelle Phase des Fernwärmeprojekts? Und was sind die nächsten Schritte im Leitungsbau?

Der Bau des Wärmenetzes verläuft aktuell sehr intensiv und nach wie vor planmässig. Dass an verschiedenen Orten gleichzeitig gebaut wird, offenbart die ehrgeizigen Ziele. Es geht darum, möglichst schnell die Hauptleitungen für das Verteilnetz zu erstellen. Denn nur über das Netz können wir Wärme liefern und damit Erträge generieren, um die Kosten zu decken.

Wir wollen in diesem Jahr die Baustellen in der St. Galler- und Wilerstrasse abschliessen. So wird die Hauptachse wieder frei befahrbar. Danach folgt der Ausbau des Netzes in den Quartieren.

Uns ist sehr bewusst, dass unsere Baustellen im Alltag Einschränkungen mit sich bringen. Wir geben gemeinsam mit  den beteiligten Unternehmen unser Bestes, diese Einschränkungen auf ein Minimum zu reduzieren. Wir hoffen daher auf das Verständnis der Verkehrsteilnehmer:innen und Anwohner:innen. Die Baustellen gehen vorüber, die nachhaltige Flawiler Wärmeversorgung bleibt. Für das entgegengebrachte Verständnis und die Kooperation sind wir sehr dankbar.

 

Wie ist die bisherige Rückmeldung aus der Bevölkerung und der Hauseigentümer:innen?

Die allgemeinen Rückmeldungen zum Vorhaben sind mehrheitlich sehr positiv. Das Interesse ist gross, dies konnten wir auch an verschiedenen Anlässen wie beispielsweise der Versammlung des lokalen Hauseigentümerverbandes oder an den vergangenen Frühlings- und Herbstmärkten spüren. Viele Hauseigentümer:innen setzen sich intensiv mit zukunftsfähigen Heizlösungen auseinander. Wir können mit der Fernwärme Flawil eine preislich attraktive und 100 Prozent lokale und ökologische Alternative bieten.

Das bei einem solchen Projekt aber nicht alle begeistert sind, und es vereinzelt die eine oder andere kritische Rückmeldung gibt, dürfte ebenfalls klar sein. Einerseits können nicht alle Flawiler:innen von der Fernwärme profitieren, da der Versorgungsperimeter technisch und wirtschaftlich beschränkt ist. Andererseits besteht vereinzelt auch die Sorge, dass wir, die TBF, uns mit der Grössenordnung des Vorhabens übernehmen. Es ist uns ein grosses Anliegen, alle Rückmeldungen ernst zu nehmen. Entsprechend stehen wird gerne jederzeit zur Diskussion rund um die Fernwärme Flawil zur Verfügung. Damit der Weg zu uns möglichst kurz und einfach ist, sind wir am Flawiler Frühlings- und Herbstmarkt, an unseren Energie-Cafés oder auch an anderen Events wie der Mitgliederversammlung des lokalen Hauseigentümerverbandes präsent.

 

Zeichnet sich beim Verkauf bereits eine wirtschaftlich tragfähige Entwicklung ab?

Ja, wir sind mit unserer bisherigen Vertriebsarbeit sehr zufrieden. Gemäss der Wirtschaftlichkeitsrechnung ist bis Ende 2026 eine vertraglich zugesicherte Anschlussleistung von rund 900 Kilowatt vorgesehen. Dieses Ziel haben wir bereits erfüllt. Per Ende März 2026 haben wir bereits eine Anschlussleistung von 1'191 Kilowatt unter Vertrag. Diese Entwicklung stimmt uns positiv und gibt uns Zuversicht, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

 

Ein wichtiger Bestandteil der Fernwärme ist die Wärmezentrale bei der ARA Oberglatt. Dort ist aktuell allerdings noch wenig sichtbar. Weshalb?

Die Wärmezentrale ist im Detail geplant. Das Baugesuch wurde im Sommer 2025 eingereicht. Eine Einsprache hat in den vergangenen Monaten jedoch den Baustart verhindert. Glücklicherweise wurde die Einsprache vor kurzem zurückgezogen. Seit Anfang Mai liegt damit die rechtskräftige Baubewilligung vor. Darüber freuen wir uns sehr, denn nun kann es weitergehen. Der Baustart ist auf Anfang Juni geplant, die gesamte Bauzeit beträgt rund eineinhalb Jahre.
Das TBF-Team hat seit Eingang der Baubewilligung wieder merklich an Schwung und Energie gewonnen. Wir sind überzeugt, dass die Baustelle der Wärmezentrale ein starkes Zeichen für die Fernwärme Flawil ist und auch den Vertrieb in seiner Arbeit nochmals unterstützt.

 

Fernwärmeprojekte stehen oft auch wegen ihrer langfristigen Wirtschaftlichkeit im Fokus. Wie beurteilen Sie die Perspektiven in Flawil?

Fernwärme ist, wie alle Energieinfrastrukturen, ein langfristiges Geschäft. Unsere Vorgänger konnten nicht mit Garantie vorhersagen, ob sich die Flawiler Trinkwasser-, Strom- oder Gasverteilnetze amortisieren lassen, oder gar Gewinn abwerfen. Sie haben mit dem Bau der Grundinfrastrukturen begonnen und die nachfolgenden Generationen haben ihren Teil mit technologischen Entwicklungen und neuen Geschäftsmodellen beigetragen, dass sich die Investitionen der Vergangenheit auszahlen.
Mit der Fernwärme sehe ich es genauso. Wir setzen heute mit unseren Investitionen den Grundstein und achten dabei darauf, für uns und die nachfolgenden Generationen bestmögliche finanzielle und technische Grundlagen zu schaffen. Danach liegt es an uns und unseren Nachfolgern, aus den gegebenen Infrastrukturen und Mitteln das Beste zu machen. Beim Wasser, Strom, Gas und FTTH hat es funktioniert. Warum soll es bei der Fernwärme nicht auch funktionieren?

 

Was ist Ihr Fazit zum aktuellen Stand?

Die Fernwärme Flawil ist aktuell in allen Bereichen auf Kurs. Der Projektstatus ist abgelegt und die Fernwärme hat sich, mit dem Baustart der Zentrale, zum strategischen Geschäftsbereich der TBF entwickelt. Wir sind davon überzeugt, dass die Fernwärme Flawil die lokale Energieversorgung stärkt und zukunftsfähiger macht.